Der Malerweg. Was wusste ich vorher von ihm? Eigentlich nicht viel. Von der Basteibrücke hatte ich gehört. Das beeindruckende Elbsandsteingebirge kannte ich von Bildern, und die Sächsische Schweiz als solche hatte ich schon seit Langem als Wanderziel im Hinterkopf.
So arbeitete ich mich durch Blogbeiträge anderer WandererInnen und schaute mir die offizielle Website der Sächsischen Schweiz an. Von offizieller Seite ist der Malerweg in acht Etappen aufgeteilt. Er startet in Liebethal und endet in Pirna. Aber wann mache ich schon mal etwas, wie es gedacht ist? Urlaubstage müssen verdichtet werden. Also: sechs Etappen, und wir gehen das Ganze entgegengesetzt. Warum ich auf die Idee gekommen bin? Ich kann es nicht mehr sagen. Ich glaube, es lag an der Verfügbarkeit der Campingplätze entlang des Weges. Kann ich es empfehlen? Eigentlich schon. Habe ich mich genauer mit der Strecke und den Höhenmetern beschäftigt? Nein – war vielleicht auch besser so. Meine Gedanken: Wie schwer kann schon ein deutscher Premiumwanderweg sein? Die wollen doch die Touristen in die Region locken.
Dresden. Urlaub einläuten
Bevor ich in der „Wildnis“ verschwinde, verbringe ich noch eine Nacht in Dresden. Ich treffe mich mit Katja vom dortigen Ladies‘ Circle auf einen Kaffee – dafür liebe ich unser Netzwerk. Wir kannten uns vorher nicht, aber das Motto des Ladies‘ Circles und des Round Tables lautet nicht umsonst: „Wir treffen alte Freunde zum ersten Mal.“
Dresden hat einen coolen Vibe. Kultur. Architektur. Großstadt. Altstadt. Äußere Neustadt. Sommerfeeling. Salzkaramell-Popcorn-Softeis. Café Komisch. Kiez. Alaunstraße. Bars. Kneipen. Neustadt. Graffiti. Sticker. Hinterhöfe. Frauenkirche. Semperoper. Zwinger. Wasserspender im Park. Junge Leute spielen Boule. Sonnenuntergang an der Elbe. Lebendig. Alternativ. Klassisch. Hiroshi Sushi.
Dresden ist die erste Stadt, in der ich mich fast ohne Handy zurechtfinde. Mein Orientierungssinn ist wirklich nicht der beste, aber die Stadt ist super übersichtlich – mit vielen Fixpunkten, durch die ich mich schnell orientieren kann. Ich stelle schnell fest, dass Softeis hier ein echtes Ding ist. Die nächsten Tage können also nur gut werden.




Übernachtungstipp für einen schmalen Taler:
Das A&O Hotel, 500 m vom Bahnhof entfernt. Die Übernachtung im 6er-Frauenzimmer lag bei 23 €.
Etappe 1: Pirna bis Königstein
Latte Macchiato vom Rewe to Go am Dresdner Bahnhof muss sein. Ich komme zum Gleis, und ohne warten zu müssen, steige ich direkt in die nächste S-Bahn ein. Die Stationen bis nach Pirna sind mein persönlicher Countdown:
10. Dresden Hauptbahnhof
9. Dresden-Strehlen
8. Dresden-Reick
7. Dresden-Dobritz
6. Dresden-Niedersedlitz
5. Dresden-Zschachwitz
4. Heidenau
3. Heidenau Süd
2. Heidenau-Großsedlitz
1. Pirna
Auf der Jagd nach der besten Eierschecke Sachsens und die Sache mit dem Transport
Vom Bahnhof aus mache ich mich auf die Suche nach der angeblich besten Eierschecke Sachsens – und laufe dabei dreimal im Kreis. Es ist keine 9:00 Uhr, und ich bin schon durchgeschwitzt, als ich am Café Walter ankomme. Kartenzahlung: Fehlanzeige. Interieur: 1995. Ich lieb’s.
Den Transport dieses empfindlichen Stücks Kuchen habe ich natürlich nicht bedacht. So laufe ich mit ausgestrecktem Arm und meinem Frühstück auf der Handfläche einen Kilometer bis zur Elbe. Joa – Schecke ist gut, fluffig, aber jetzt auch kein kulinarisches Highlight. Die erste Portion Zucker habe ich somit intus. Pirna ist ein hübsches Städtchen mit einer tollen Altstadt. Auf dem Rückweg werde ich mich noch etwas genauer umschauen.
Hinter dem Marktplatz entdecke ich ein Schild – weiß mit einem schwarzen „M“. Über die ersten von unzähligen Stufen an diesem Tag geht es hoch in den Wald. Auf einem schönen, wurzeligen Weg, top ausgeschildert, an der Hangkante entlang, mit Blick auf die Elbe. Nach wenigen Kilometern muss ich dieses schattige Idyll jedoch gegen ein gutes Stück Elberadweg eintauschen. Der Asphalt brennt, und die Füße sagen Aua. Das Blau des Himmels strahlt mir entgegen, aber die Wettervorhersage macht mich nervös – heftiger Regen soll am Abend kommen.
Bevor der Asphalt mich komplett zerstört, geht es zurück in den Wald. Unverhofft komme ich an einem kleinen Springbrunnen vorbei, der laut Recherche sogar natürlichen Ursprungs ist. Generell mangelt es entlang der Wege nicht an Wasserstellen. Ich bin nicht darauf angewiesen und habe auch keinen Filter dabei, aber wer autark unterwegs sein möchte, ist hier gut aufgehoben.







Das ist also die Sächsische Schweiz! Auf zu den Rauensteinen!
Völlig unvorbereitet lichtet sich der Wald, und ich blicke ins Panorama der Sächsischen Schweiz. Ich stehe auf den Rauensteinen. Es fängt leicht an zu nieseln. Mit mir ist nur ein Pärchen hier oben. Über Metallleitern und Brücken geht es über die Felsblöcke. Etwas Trittsicherheit ist auf jeden Fall gefragt.
In einer Felsspalte muss ich meine Flasche aus der Seitentasche nehmen, sonst passe ich nicht hindurch.
Von einem Aussichtspunkt aus habe ich schon einen herrlichen Blick auf mein heutiges Tagesziel: den Campingplatz Königstein. Bis dahin ist es aber noch ein gutes Stück zu wandern. Die Etappe bzw. der ganze Malerweg ist recht zivilisationsnah. So komme ich auch immer wieder an Gärten und Häusern vorbei. In und um Pirna baut jeder irgendwas im Garten an und beackert seine Flächen. Scheinbar ist heute auch Tag des Kantenschneiders – das kreischende Geräusch ist meine Hintergrundmusik.
Die Schilder zur Schokoladenmanufaktur in Thürmsdorf sind definitiv wirtschaftlich gut platziert. Zu einem Eiskaffee sage ich nie nein. Etwas überteuert das Ganze, aber der Garten und das Ambiente sind einladend. Zudem gibt es eine Toilette.





Festung Königstein aka John Schnee, bist du hier irgendwo?
Der Weg führt mich durch den Wald zur Festung Königstein. Was ist das bitte für ein krasses Ding?! Ich verbringe mehr als zwei Stunden auf dem 9,5 Hektar großen Felsplateau, das sich 240 Meter über die Elbe erhebt – eine der größten Bergfestungen Europas. Ich umrunde die komplette Anlage entlang der Mauer. Die Ausblicke sind grandios. Nach 2,2 Kilometern bin ich – ohne es zu merken – wieder an meinem Ausgangspunkt angelangt und wundere mich über die, oh Wunder, gleiche Aussicht. Eine Museumsanlage mit unzähligen Sonderausstellungen, Restaurants und Seminarräumen lockt jedes Jahr über 500.000 Besucher an. Ein nettes Feature waren für mich die Trinkwasserspender auf den Toiletten.





Ankommen am Campingplatz
Wieder über unzählige Stufen geht es durch den Wald bergab nach Königstein und zum Campingplatz, der direkt am Wasser liegt. Das Einchecken läuft über einen Automaten. Ein Mitarbeiter des Campingplatzes weist mich durch den Prozess. Es gibt eine Duschkarte und man muss 20 € Pfand bezahlen, (die ich bis heute nicht erstattet bekommen habe.) Nach über 30 Kilometern bin ich dann auch platt. Aus dem Getränkeautomaten ziehe ich mir eine kalte Cola und bereite mir meinen Couscous zu. Wer braucht schon einen Kocher, wenn das Wasser aus der Leitung 90 Grad hat?
Übernachtung: https://camping-koenigstein.de/
