Da ich im August nochmal eine Woche Urlaub nehmen konnte, war der richtige Weg für diese Zeit schnell gefunden. Der Heidschnuckenweg verläuft von Hamburg-Fischbek bis Celle, ist 222 km lang und führt durch die, im August blühende Heidelandschaft. Da ich an 4 Tagen keine 222 km schaffen würde, habe ich mir die landschaftlich schönsten Etappen herausgegesucht, die gut mit dem Zug zu erreichen sind.
Tag 1: Handeloh bis Egestorf
Ich sitze am Bahnhof und checke nochmals meine Verbindung. Der Zug von Kreiensen nach Hannover fällt aufgrund von Personalmangel aus. Meine geplante Kaffeepause in Hannover kann ich auch streichen und der Zug eine Stunde später hat ebenfalls Verspätung durch Gleisarbeiten. Aus meinen 27 Minuten Umsteigezeit werden 5. Ich hetze zum Gleis um nach Handeloh zu kommen. Immer eine Freude, mit der Deutschen Bahn unterwegs zu sein.
Endlich in Handeloh angekommen, erhasche ich hinter dem Ortsschild einen ersten Blick, auf das, was mich die nächsten Tage erwarten wird. Die Heideblüte.


Es ist Mittagszeit. Die Sonne brennt und der Weg führt passenderweise durch ein Waldgebiet mit schönen kleinen Pfaden und viel Schatten. Mit dem schwarzen H als Zeichen ist der Heidschnukenweg hervorragend gekennzeichnet.
An einer Hütte sehe ich einen Mehrtageswanderer Pause machen. Wir grüßen uns. Ein paar Kilometer weiter, auf einer langen graden Straße, mit Stoppelfeldern auf der einen und einem Waldstück auf der anderen Seite, mache ich meine erste Pause. Und werde von ihm überholt. Im kleinen Ort Wesel hole ich ihn wieder ein und betone mein „Hallo“, um Gesprächsbereitschaft zu signalisieren. Er seinerseits grüßt ebenfalls, bleibt aber abrupt an einem Infoschild stehen. Ok, der hat wohl keine Lust, denke ich mir und gehe etwas irritiert weiter. So begegnen wir uns noch ein paar Mal und immer „haut er vor mir ab“ oder bleibt zurück. Letztendlich mache ich eine längere Pause und gebe ihm Vorsprung. Auf nimmer Wiedersehen, denke ich mir und hole meine „Gute Laune“ Tüte raus. Ein Mix aus salzigen Nüssen, M&Ms, Brotchips, Keksen, Brezeln, Trockenobst und was sonst noch so zu Hause herumflog. Das kommt immer dann richtig gut, wenn sich der Körper gerade nicht entscheiden kann, was er denn genau haben möchte.



Der Weg führt mich erneut durch ein kleines Waldgebiet, als ich zwischen den Bäumen etwas Rötliches aufblitzen sehe. Ich kann es zuerst nicht einordnen. Ich verlasse das Waldstück und da ist sie, die blühende Heide in ihrer vollen Pracht. Ein Meer aus Purpur und Rosarot, so weit das Auge reicht.



So etwas Unglaubliches habe ich selten gesehen. Jeder Wanderer, der mir entgegenkommt, entspringt dem Bild aus einem Imagefilm. Der Himmel ist unverschämt dunkelblau und wolkenlos. Der Waldrand duftet nach warmen Kiefern. Nur den Sand habe ich unterschätzt. Kilometerlang geht es durch und entlang der Heideblüte auf schmalen Pfaden. Hier und da stehen Bienenkästen mitten im Heidekraut, geschützt unter Reetdächern, malerisch in die Landschaft eingesetzt. Ein unterschwelliges Summen begleitet mich.
Es ist Montag und nur ein paar Tagestouristen und Radfahrer kommen mir entgegen. Mein geliebter ultraleichter Regenschirm dient mir streckenweise als einziger Sonnenschutz. In Undeloh hole ich mir ein Wassereis. Die letzten Kilometer bis zum Campingplatz ziehen sich und prompt übersehe ich auch noch eine Abzweigung im Wald. Genervt muss ich ein paar hundert Meter zurückgehen. Ich bin platt und mein linke Hüfte tut weh. Ein Weg komplett ohne Höhenmeter und so auch ohne Abwechslung in der Gehbewegung, ist mein Körper scheinbar nicht gewohnt.


Der Campingplatz ist riesig und verwinkelt. Zwar erklärt mir die Besitzer auf der Karte, wo in etwa die Zeltplätze sein sollen, aber als ich los tapere, habe ich schon wieder alles vergessen. Mein schlechter Orientierungssinn lässt grüßen.

Das Areal ist naturbelassen und die einzelnen Plätze zwischen Kiefern und hohem Gras gelegen. Ich irre ein Weilchen von A nach B, bis ich ein anderes Zelt entdecke und mich einfach in dessen Nähe niederlasse. Die Waschräume sind großzügig und sauber. Um 21:00 Uhr geht das Licht aus. Ich hab Kopfschmerzen, obwohl ich über 4 Liter Wasser getrunken habe. Den Lärm der nahen A7 nehme ich erst jetzt so richtig wahr. Sie ist verflucht laut, also Ohropax rein und schlafen.
Campingplatz: Regenbogencamping
Kosten: 17,20 €
Tag 2: Egestorf bis Heber
So tief habe ich noch nie im Zelt geschlafen, lag vielleicht am Grad der Erschöpfung. Ich baue mein Zelt ab, bezahle und bekomme vom Betreiber noch den Hinweis auf den kostenlosen Heideshuttle Service, dieser fährt von Juli bis Oktober alle wichtigen Bereiche innerhalb der Lüneburger Heide an. Schöne Sache, für mich aber hoffentlich irrelevant. Die ersten Meter aus dem Zelt zum Waschraum waren noch wackelig. Mit dem Rucksack auf dem Rücken fühle ich mich aber sofort bereit für den Tag.

Ein paar Kilometer des gestrigen Weges muss ich zurückgehen, um wieder auf den Heidschnuckenweg zu gelangen. Es ist schon warm, aber noch angenehm und die erste Zeit geht es erneut durch ein Waldgebiet. Kaum erreiche ich die Heide, würde ich am liebsten den ganzen Tag nur Fotos machen. Es ist so unglaublich schön, wie das Heidekraut, bei obszön blauem Himmel, am Leuchten ist.


Nach knapp 9 km komme ich durch den kleinen Ort Wilsede. Links und rechts von einer alten, mit buckeligen Steinen gepflasterten Straße, befinden sich ein Museum und ein Café. Bei einem überteuerten Latte Macchiato unterhalte ich mich mit einem älteren Herren. Er kennt sogar das Weserbergland, da er den Pilgerweg Loccum Volkenroda gewandert ist. Ich mache länger Pause als geplant, aber was soll’s, ich bin ja nicht auf der Flucht und auch gut in der Zeit.
Weiter geht es auf der Steinstraße und mir kommen mehrere Pferdekutschen unter der endlos-langen Eichenallee entgegen. Irgendwie wirkt alles, als ob ich in einem übergroßen Freizeitpark wäre.



Ich bin wieder unheimlich froh mein Schirmchen zur Hand zu haben, denn die nächsten 10 km warten mit gleißender Sonne, ohne jeglichen Schatten auf mich, dafür eine unglaubliche Heidelandschaft. Jede Kurve begeistert mich ums neue. Sogar einen Ausblick gibt es. Vom 169,2 m hohen Wilseder Berg schaut man „hinunter“ ins Tal. Der Wilseder Berg ist das Herz der Heide und der höchste Berg der norddeutschen Tiefebene.



Die Heideflächen erstrecken sich auf insgesamt 230 qkm. Bereits seit 1921 sind sie unter Schutz gestellt, weil sie auch Revier für seltene Tiere und Pflanzen geworden sind. Den namensgebenden Tieren des Weges samt Schäfer und Hütehunden begegne ich ebenfalls.

Die Sonne brennt. Vielleicht hätte ich mich doch besser eincremen sollen? Bei dem Wasserverlust ist die Creme in 5 Minuten aber auch weg geflossen. Die letzten 10 Kilometer versuche ich mehrere kurze Pausen einzulegen. Die Hitze zerrt am Kreislauf (meinem Motto lieber zu warm als zu kalt bleibe ich trotzdem treu).



Zum Schluss setzt der Asphalt den Füßen nochmal richtig zu. Ich will garnicht wissen, was für ein genervtes Gesicht ich gezogen haben muss, als ich durch den Ort Heber zum Campingplatz geschlurft bin.
30,4 km sind geschafft und ich fühle mich besser als am ersten Tag. Keine Kopfschmerzen und die Hüfte hat sich auch nicht wieder gemeldet. Dafür habe ich doch etwas Sonnenbrand und mein Shirt könnte gut als Salzleckstein dienen.
Der Platz ist super hergerichtet, mit hübsch angelegten Bereichen und sauberen Waschräumen. Der wirklich kleine Zeltplatz, eine Raseninsel umgeben von Wohnmobilstellplätzen, ist zum Glück leicht zu finden. Ein überfreundlicher Italiener, der mich so gleich begrüßt, möchte mir erst Nüsse und dann einen Hammer für die Heringe anbieten. Ich lehne dankend ab. Selbst ist die Frau. Wofür schleppe ich denn mein Alu-Kack-Schäufelchen mit mir herum? Damit bekomme ich die Heringe auch erfolgreich in den, wirklich sehr harten Boden gerammt. Die ganze Zeit verschont geblieben, erwischt mich beim Zeltaufbau doch noch mein Erzfeind, die Bremse. An der Wade, wo auch sonst. Ich freue mich auf das geschwollene Ei am nächsten Tag.

Da das Restaurant leider geschlossen hat, decke ich mich in der gut sortierten Rezeption mit alkoholfreiem Weizen, einer Cola, Chips und einer Packung Lidl Weißkrautsalat ein. Der Salat hat noch nie so gut geschmeckt. Heute fange ich auch das Buch meiner Reise an, „Der Alchimist“. Es wird erstaunlich schnell dunkel. 21:20 Uhr und der Himmel ist fast schwarz. Ab ins Zelt. Licht aus.
Campingplatz: Camping-Park Lüneburger Heide
Kosten: 15 €
Tag 3: Heber bis Hützel
Die Nacht war unruhig. Linke Seite ging nicht, rechte Seite ging nicht. Irgendein Körperteil schlief immer ein und es war unfassbar warm. Das sage ich, die Frostbeule. Also stehe ich um 6:30 Uhr auf, um die Kühle des Morgens zu nutzen. Der Tag startet sonnig und scheint herrlich zu werden. Endlich habe ich auch mal auf die Uhr geschaut: 24 Minuten brauche ich für das komplette Verpacken meiner Sachen. Von aus dem Zelt kriechen bis Rucksack ist reisefertig. Schnell oder langsam? Ich wollte es einfach mal wissen.
Mit meinem Essensbeutel und meinen Schuhen in der Hand gehe ich hinüber zur Terrasse an der Rezeption. Ich hab mich schon auf ein gemütliches Frühstück auf den bequemen Sofas gefreut. Ein schöner Ort, um in den Tag zu starten. Ich rühre also mein Müsli an und checke doch nochmal kurz die Mails. Und ab da wird der Tag irgendwie unberechenbar.
Ich bestätige zu schnell eine E-Mail, in der es um einen Druckauftrag geht, nur um 2 Sekunden später festzustellen, dass in der Datei doch noch ein Fehler ist. Erst handeln, dann denken – kann ich. Zur Untermalung des Szenarios, in dem mir eh schon heiß und kalt geworden ist, fängt der Himmel auch noch an zu grummeln und böse dunkle Wolken ziehen auf. Ohne Genuss schlinge ich mein Frühstück hinunter und wasche ab. Zwischendurch formuliere ich noch eine Stornierungsmail an die Druckerei und versuche ohne Erfolg jemanden ans Telefon zu bekommen.
Ich schnappe meinen Rucksack und ziehe los. Was soll ich auch anderes machen? Auf dem Weg zur Hauptstraße hab ich Glück und bekomme tatsächlich jemanden ans Telefon. Obwohl in der Mail überall in Rot steht „Wenn du den Auftrag bestätigst, gibt es kein Zurück mehr“ ist der Mitarbeiter sehr zuvorkommend und gemeinsam lösen wir meinen Faupax zu. Nach 2 weiteren Telefonaten und 5 Whats Apps ist das Thema geklärt und am Abend bekomme ich die korrekte Datei und schicke sie ab. Die endlos lange Hauptstraße, die mich am gestrigen Tag die letzten Reserven gekostet hat, vergeht währenddessen wie im Flug und ich biege in die Heide ab.


Der Himmel ist grau und die ersten Regentropfen fallen zu Boden. Ich hülle meinen Rucksack in sein Cover ein und halte meinen Schirm griffbereit. Es bleibt zunächst bei einem leichten Sprühregen. Die dunklen Wolken in der Ferne lassen aber erahnen, dass das nicht so bleiben wird. Ein paar Kilometer weiter befindet sich um mich herum nur noch flache Heide und es fängt an zu gewittern. Das Donnergrollen rückt näher und ich sehe die Regenschwaden in der Ferne. Ich versuche mich zu beeilen und habe einen „Athen-Flashback“. Vor ein paar Jahren war ich mit Freunden im Urlaub und wir befanden uns auf dem Hügel der Akropolis, als ein heftiges Gewitter einsetzte. Lautsprecherdurchsagen forderten die Touristen auf, die Anlage zu verlassen, doch so schnell kamen wir nicht weg. Der Marmor war durch den einsetzenden Regen rutschig gewordeb und rechtzeitig hätten wir es eh nicht geschafft. So standen wir, total klug, unter einem großen Baum und dachten wirklich unser letztes Stündlein hätte geschlagen.


Das Gewitter hier kommt zu meinem großen Glück ohne Blitze aus, doch auch wie in Athen, stelle ich mich unter ein Gebüsch, um nicht komplett durchnässt zu werden. Der erste Starkregen dauert 10 Minuten. Ich wage mich hervor, als es nur noch tröpfelt, um ganze 500 Meter weit zu kommen, bevor es weitergeht. Passenderweise erreiche ich gerade noch einen Jägersitz aus Holz, der wie ein Plumpsklo aussieht. Die Mülltüten in der Ecke ignoriere ich und will auch gar nicht wissen, was sich darin befindet. Auf dem Holzbrett sitzend, schüttelt der Wind meinen Unterschlupf ordentlich durch, aber ich bin im Trockenen.
Nicht nur bei strahlend blauem Himmel macht die Heide eine gute Figur. Die dunkelgrauen Gewitterwolken und Pfützen auf den Sandwegen lassen sie nochmal ganz anders wirken. Mysteriös, wild, irgendwie roher.



An diesem Tag habe ich Zeit. Es sind nur 20 Kilometer bis zum Campingplatz und ein Besuch bei McDonalds inklusive einkalkulierter Handyladepause steht auf meinem Plan. Als ich nach ca. 15 Kilometern durch einen Ort komme, bin ich jedoch verwirrt. Ich laufe direkt an meinem notierten Campingplatz vorbei, der eigentlich erst 5 Kilometer später kommen soll. Schnell versuche ich zu checken, was ich da schon wieder verbockt habe. Die Route führt tatsächlich zu einem Campingplatz, der sich 5 Kilometer weiter befindet. Wird schon passen, denke ich mir. Für eine Person, mit einem kleinen Zelt, wird immer irgendwo ein Plätzchen frei sein. Während dieser Überlegungen bin ich mit dem Handy in der Hand weitergegangen und habe natürlich eine Abzweigung verpasst. Also wieder zurück.
Ich umrunde einen kleinen See. Links ist die Böschung zu steil und rechts das Wasser. Ich laufe also weiter und sehe eine Fischerhütte inklusive eines Waldstückes, was sich gut für eine Pipipause eignet. Keine 2 Minuten später fängt es erneut an zu regnen, oder besser zu schütten. Ich rette mich gerade noch unter das großzügige Vordach der Vereinsbehausung. Der Regen wird so heftig, dass ein weißer Schleier den See verschluckt und ich keine 20 Meter weit gucken kann. Zu meinem Glück sind die Holzbänke bequem und ich lege eine Zwangspause ein. Am Ende verbringe ich eineinhalb Stunden lesend unter dem Vordach. Die Autobahnraststätte ist nicht weit entfernt, aber komplett durchnässt dort anzukommen, habe ich keine Lust. Irgendwann reicht es mir dann aber doch und ich ziehe meinen Regenponcho über. Als ob das Universum das mitbekommen hätte, hört der eh schon schwächer werdende Regen komplett auf.
Der McDonalds ist warm und ich ergattere einen Platz an einer Steckdose. Ich finde den Gedanken spannend, dass ich definitiv zu einer Minderheit gehöre. Die meisten Gäste sind wohl mit dem Auto angekommen. Da ich nicht schon so früh am Campingplatz sein möchte, vertreibe ich mir die Zeit. Beobachte Menschen und kaufe mir, von meinem Sanifair Gutschein, ein weiteres Eis.
An die letzten 5 km des Tages habe ich keine großen Erwartungen, werde jedoch positiv überrascht. Kaum entferne ich mich vom Rastplatz und der Autobahn, führt mich der Weg durch den Wald und ich höre nur noch die Geräusche der Natur. Mit weiteren Heideflächen habe ich nicht mehr gerechnet, als sich vor mir eine wunderschöne Landschaft auftut. Von oben schaue ich in ein kleines Tal voller Heidekraut hinab. Der Weg führt mich ein Mal ringsherum.

Der Campingplatz am Opalsee in Hützel ist schlicht. Er bietet mir an dem Tag aber genau das, was ich brauche: Einen See mit Bank zum Buch lesen und einen trockenen Aufenthaltsraum zum Abendessen. Der erwarte Regen gegen Abend lässt sich nicht blicken, sodass ich mein Zelt im Trockenen aufbauen kann.
Campingplatz: Campingplatz Opal-See
Kosten: 13 €
Tag 4: Hützel bis Soltau
In der Nacht hat es leider doch nochmal geregnet. Ich stopfe also mein klitschnasses Zelt in seine Hülle und freue mich schon darauf zu Hause alles nochmal auszupacken. Ich verlasse den Campingplatz und gehe früh am Morgen durch ein Wohngebiet. Es ist noch diesig und verspricht kein allzu sonniger Tag zu werden. In Bispingen decke ich mich beim Bäcker mit einem riesigen Franzbrötchen und einer überbackenen Laugenstange ein. Die Bäckertüte vorne im Meshteil des Rucksacks verstaut, sorgt dafür, dass ich ihn am selben Abend noch gründlich waschen darf. Sie hat nämlich nach 2 Stunden wandern einen richtig schönen Fettfleck hinterlassen.


Auf meinen Bremsenbiss, der mittlerweile meine halbe Wade eingenommen hat, schmiere ich zerkauten Breitwegerich, was tatsächlich etwas Linderung verschafft. Abschwellen tut jedoch nichts.
Die Temperatur ist beinahe angenehm. Die Luftfeuchtigkeit aber recht hoch. Heute geht es nur durch den Wald. Mit Ausnahme einer kleinen Heidefläche. Wald ohne Anstiege ist schon komisch, aber die Wege sind schön angelegt. Auf herrlich weichem Boden federe ich über die kleinen Pfade. Immer mal wieder fängt es an zu regnen. Ich treffe tatsächlich auch auf mehrere Wandergruppen, die ich schnellen Schrittes versuche zu überholen. Die Rentnertruppe hat ein gutes Tempo drauf, aber ein bisschen schneller bin ich dann doch noch.


Irgendwann höre ich es mitten im Wald schreien. Kinderstimmen. Immer wieder. Es dauert einen Moment, bis ich realisiere, dass schon bald der Heidepark in Sicht kommen wird. Auf dem Parkplatz mache ich eine Pause. 20 km habe ich durchgeballert. Nur einmal zum Franzbrötchenessen bin ich im Wald stehen geblieben. Auf diesem Abschnitt hätte ruhig die ein oder andere Bank stehen dürfen. Die letzten Kilometer geht es weiter durch den Wald bis nach Soltau. Spektakulär war diese Etappe nun wirklich nicht, aber auch nicht schlecht. Wer es nur auf blühende Heideflächen abgesehen hat, kann sie aber definitiv auslassen.


Am Soltauer Bahnhof angekommen, suche ich nach einer Toilette und werde fündig. In diesem Moment frage ich mich jedoch wieder, in welchen Jahrhundert wir leben. Die Toilette verlangt ein 50 ct Stück und gewechselt wird nicht. Zu meinem Glück befindet sich in unmittelbarer Nähe ein REWE mit Kundenklo. Für die Rückfahrt kaufe ich noch etwas ein und warte entspannt auf meinen Zug. Nach einem erneuten Personenausfall in Kreiensen, bringt er mich irgendwann auch nach Hause.
Fazit: Der Heidschnuckenweg ist landschaftlich gesehen, der bisher schönste Weg, den ich mit Zelt gegangen bin. Super ausgeschildert und vor allem zur Blüte absolut zu empfehlen.